Geschlechtskrankheiten in Deutschland: Durch ungeschützten Geschlechtsverkehr kann man sich mit sexuell übertragbare Infektionen (STI) anstecken.
  1. 1. Chlamydien, Lockdowns und “Gute Zeiten, schlechte Zeiten”
  2. 2. Ungewollt kinderlos durch Chlamydieninfektionen
  3. 3. Die meisten Anfragen zur Behandlung von Geschlechtskrankheiten kommen aus...
  4. 4. Starker Anstieg der Syphilis-Infektionen in Deutschland
  5. 5. Brennpunkt Berlin Friedrichshain-Kreuzberg
  6. 6. Nur 1 von 10 Deutschen kennt Chlamydien
  7. 7. AIDS ist auch heute noch tödlich!
  8. 8. Chlamydieninfektionen: 8 von 10 Frauen ohne Symptome
  9. 9. Nahezu jeder Deutsche steckt sich im Laufe seines Lebens mit humanen Papillomviren (HPV) an
  10. 10. Sorgen neue HIV-Therapien für mehr Infektionen mit anderen STI?
  11. Fazit
Geschlechtskrankheiten in Deutschland: Durch ungeschützten Geschlechtsverkehr kann man sich mit sexuell übertragbare Infektionen (STI) anstecken.

Geschlechtskrankheiten werden auch als sexuell übertragbare Infektionen (STI, sexually transmitted infections) oder sexuell übertragbare Erkrankungen (STD, sexually transmitted diseases) bezeichnet.

HIV, AIDS und Tripper kennt fast jeder. Auch ist bekannt, dass über ungeschützte sexuelle Kontakte verschiedenste Krankheiten übertragen werden können. Dennoch steigen die Infektionszahlen mit weniger bekannten Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien, Hepatitis und humanen Papillomviren (HPV) seit einigen Jahren in Deutschland. Wir haben 10 interessante Fakten rund um das Thema “sexuell übertragbaren Infektionen (STI)” zusammengetragen.

Ausführliche Informationen zu dem Thema sind in der Fernarzt-Studie Geschlechtskrankheiten in Deutschland zu finden.

1. Chlamydien, Lockdowns und “Gute Zeiten, schlechte Zeiten”

Die anonyme Auswertung interner Daten hat ergeben, dass kurz nach den beiden Corona-bedingten Lockdowns die Anfragen für Rezepte zur Behandlung von Chlamydien beim Telemedizin-Anbieter Fernarzt leicht anstiegen. Möglicherweise gab es also, nachdem die strengen Kontaktbeschränkungen aufgehoben wurden, wieder mehr (ungeschützte) sexuelle Kontakte .

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Einen merklichen Anstieg unabhängig von den Corona-Regelungen gab es im Oktober 2020. Für den Zeitraum vom 18. bis 24. Oktober war auch bei Google Trends das Suchvolumen für den Begriff “Chlamydien” stark angestiegen (+150 Prozent zur Vorwoche). Nachdem verschiedenste Gründe untersucht und ausgeschlossen wurden, ergaben die Recherchen, dass am 20. Oktober 2020 bei der RTL-Serie “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” (GZSZ) eine Ansteckung mit Chlamydien thematisiert wurde.

2. Ungewollt kinderlos durch Chlamydieninfektionen

Da keine Meldepflicht in Deutschland besteht, gibt es keine zuverlässigen Zahlen hinsichtlich der Verbreitung von Chlamydien. Vorsichtige Hochrechnungen sprechen von 300.000 Neuinfektionen jährlich, wobei am häufigsten junge Frauen betroffen sind. Da die Chlamydieninfektionen bei Frauen meist asymptomatisch verlaufen, werden sie nicht oder erst spät entdeckt und oft unbemerkt weitergegeben. Ein unerfüllter Kinderwunsch kann auf eine viele Jahre zurückliegende Ansteckung mit Chlamydien zurückzuführen sein.

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3. Die meisten Anfragen zur Behandlung von Geschlechtskrankheiten kommen aus...

TOP 10
Städte mit den meisten Pro-Kopf-Anfragen für STI-Rezepte (über 100.000 Einwohner)
  1. Leipzig (Sachsen)
  2. Trier (Rheinland-Pfalz)
  3. Oldenburg (Oldb) (Niedersachsen)
  4. Koblenz (Rheinland-Pfalz)
  5. Jena (Thüringen)
  6. Dresden (Sachsen)
  7. Köln (Nordrhein-Westfalen)
  8. Hamburg
  9. Regensburg (Bayern)
  10. Frankfurt am Main (Hessen)

Abbildung 10: Top 10 Städte telemedizinische Versorgung mit Medikamenten gegen sexuell übertragbare Infektionen. Städte ab 100.000 Einwohner mit den meisten Anfragen (pro Einwohner) für Rezepte für Medikamente gegen Chlamydien, Genitalwarzen und Genitalherpes beim Telemedizin-Anbieter Fernarzt.

4. Starker Anstieg der Syphilis-Infektionen in Deutschland

Die höchsten Syphilis-Inzidenzen wurden in den 70er Jahren dokumentiert; sie lagen bei 25 (jährliche Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner). Bis zur Jahrtausendwende gab es einen kontinuierlichen Rückgang der Neuinfektionen – im Jahr 2001 lag die bundesweite Inzidenz nur noch bei 2,42.

In den letzten knapp 20 Jahren (von 2001 bis 2019) hat sich die Syphilis-Inzidenz jedoch nahezu vervierfacht und lag 2019 bei 9,54! Auch wenn 2020 ein leichter Rückgang um 7 Prozent zu verzeichnen ist, sollte das kein Grund zur Entwarnung sein – möglicherweise ist der Rückgang auf die Kontaktbeschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie zurückzuführen.

Negativer Spitzenreiter unter den Bundesländern ist Berlin mit einer Inzidenz von 40,96 im Jahr 2019; das heißt von 100.000 Berlinern und Berlinerinnen haben sich in dem entsprechenden Jahr 41 Personen mit Syphilis infiziert. Auch in Hamburg und Bremen sind die Syphilis-Inzidenzen hoch.

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5. Brennpunkt Berlin Friedrichshain-Kreuzberg

Laut Datenlage des Robert Koch-Institutes ist deutschlandweit der Stadtkreis Berlin Friedrichshain-Kreuzberg am stärksten von Neuinfektionen mit HIV und Syphilis betroffen.

HIV in Deutschland 2020
(höchste Inzidenzen pro 100.000 Einwohner)
  • Berlin Friedrichshain-Kreuzberg 14,54
  • Kassel 10,88
  • Bremen 10,75
  • Berlin-Neukölln 10,59
  • Köln 10,02
Syphilis in Deutschland 2020
(höchste Inzidenzen pro 100.000 Einwohner)
  • Berlin Friedrichshain-Kreuzberg 95,72
  • Berlin Charlottenburg-Wilmersd. 88,22
  • Berlin Mitte 67,69
  • Köln 45,69
  • Berlin Neukölln 39,86

Eine Inzidenz von 14,54, hier am Beispiel der HIV-Neuinfektionen in Friedrichshain-Kreuzberg, klingt erstmal nicht viel. Jedoch ist eine HIV-Infektion nicht heilbar. Die Prävalenz, welche die Anzahl der aktuell infizierten Personen angibt, ist also deutlich höher. Es wird vermutet, dass im Jahr 2019 etwa 16.500 Personen mit dem HI-Virus in Deutschland leben, davon ca. 1.500 ohne eine Diagnose. Letztere könnten das Virus also unwissentlich weitergeben.

Im Jahr 2020 kamen über 10 Prozent der deutschlandweit gemeldeten HIV-Infektionen aus Berlin.

6. Nur 1 von 10 Deutschen kennt Chlamydien

Bei einer Umfrage zu Gesundheit und Sexualität in Deutschland (GeSiD) wurden zwischen Oktober 2018 und September 2019 knapp 5.000 Teilnehmern zwischen 18 und 75 Jahren zu ihren sexuellen Erfahrungen, Beziehungen und Einstellungen befragt.

Unter anderem sollten die TeilnehmerInnen alle ihnen bekannten Geschlechtskrankheiten auflisten. Auf den ersten drei Plätzen der bekanntesten Geschlechtskrankheiten landeten HIV/AIDS (71 Prozent), Gonorrhö bzw. Tripper (39 Prozent) und Syphilis (32 Prozent). Chlamydien, Genitalherpes und Hepatitis B wurden jeweils nur von etwa 10 Prozent der Befragten genannt.

Abbildung 2: Umfrageergebnisse der GeSiD-Studie (Gesundheit und Sexualität in Deutschland) [9], Frage “Welche sexuell übertragbaren Erkrankungen/Infektionen kennen Sie?”, ungestützte Umfrage (Teilnehmer mussten Erkrankungen/Infektionen eigenständig auflisten).

7. AIDS ist auch heute noch tödlich!

Durch deutlich verbesserte Behandlungsmöglichkeiten sind Infektionen mit HI-Viren für viele Menschen nicht mehr so angsteinflößend wie in den 80er und 90er Jahren. Bei frühzeitigen Therapiebeginn kann auch mit einer HIV-Infektion eine fast normale Lebenserwartung erreicht werden. Bricht allerdings AIDS (also das Vollbild der Erkrankung) aus, so endet dies immer tödlich!

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Die WHO schätzt, dass 2020 weltweit rund 680.000 Menschen an mit dem HI-Virus assoziierten Ursachen starben. In sehr vielen Ländern ist das Wissen über STI stark eingeschränkt, genauso wie die Verfügbarkeit von Kondomen oder von einer effektiven antiretroviralen Therapie.

Das Vollbild der Erkrankung (AIDS) ist nach wie vor eine tödliche Krankheit. Deshalb ist eine frühe und konsequente Therapie von HIV-Infektionen lebensnotwendig. Bei der richtigen Behandlung kann man heutzutage mit dem HI-Virus ein fast normales Leben führen, jedoch verläuft AIDS immer tödlich.

8. Chlamydieninfektionen: 8 von 10 Frauen ohne Symptome

Infektionen mit Chlamydien verlaufen oft symptomlos. So können die Erreger unbewusst und über mehrere Jahre weitergegeben werden. Bei Frauen zeigen nur etwa 20 Prozent der Betroffenen typische Symptome – das heißt: 8 von 10 Frauen mit Chlamydien haben keine Symptome. Bei Männern sind es etwa 5 von 10 Infizierten. Durch die unbewusste Weitergabe dieser Bakterien kann es zu einer hohen Durchseuchung der Bevölkerung kommen. Im Rahmen einer Studie wurde festgestellt, dass in Berlin etwa 10 Prozent der getesteten 17-jährigen Mädchen eine frische Chlamydieninfektion aufwiesen.

9. Nahezu jeder Deutsche steckt sich im Laufe seines Lebens mit humanen Papillomviren (HPV) an

Abgesehen von HIV, Syphilis und Hepatitis B sind in Deutschland keine der sexuell übertragbaren Infektionen meldepflichtig. Deshalb liegen auch für die Infektionen mit humanen Papillomviren (HPV) keine aktuellen Zahlen vor. Es wird jedoch von einer hohen Durchseuchung der Bevölkerung ausgegangen.

Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit humanen Papillomviren (HPV).

HPV werden in zwei Typen unterschieden:

  • Viren des Hochrisiko-Typs (high risk) können Krebs verursachen. Die häufigste Krebsart ist dabei der Gebärmutterhalskrebs.

  • Viren des Niedrigrisiko-Typs (low risk) sind für die Entstehung von Genitalwarzen und vulgären Warzen verantwortlich.

Gegen die HP-Viren gibt es eine Impfung, welche vor dem ersten Geschlechtsverkehr verabreicht werden sollte. Die STIKO empfiehlt diese für Jungen und Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren.

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10. Sorgen neue HIV-Therapien für mehr Infektionen mit anderen STI?

Es gibt Optionen, sich bereits vor oder direkt nach einem möglichen Kontakt mit HI-Viren vor einer Ansteckung zu schützen:

  • Präexpositionsprophylaxe (PrEP): Antivirale Medikamente werden von HIV-negativen Personen eingenommen, wenn ein potenzieller Kontakt mit HIV-positiven Personen erwartet wird. Die Medikamenteneinnahme soll vor einer Ansteckung mit HIV schützen. Anwendung findet diese Prophylaxe u. a. in der männlichem Homosexuellenszene.

  • Postexpositionsprophylaxe (PEP): Nach Kontakt mit den Körperflüssigkeiten HIV-positiver Personen (z. B. Kondom gerissen, Verletzung mit kontaminierter Nadel oder Skalpell) kann innerhalb von 24 Stunden (beste Wirkung innerhalb von 2 Stunden, maximal nach 72 Stunden) eine prophylaktische Behandlung eingeleitet werden. Diese Methode wird häufig bei medizinischem Personal angewendet sowie nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einer Person, die (mit hoher Wahrscheinlichkeit) HIV hat und nicht therapiert wird.

Die PrEP schützt so gut wie ein Kondom vor der Ansteckung mit HIV – aber leider überhaupt nicht gegen die Ansteckung mit anderen Geschlechtskrankheiten. Zwar sind die HIV-Infektionen seit 2015 wieder leicht rückläufig, jedoch nehmen die Neuinfektionen mit anderen Geschlechtskrankheiten stark zu.

Fazit

Auch wenn mit Auslaufen der “Gib Aids keine Chance”-Kampagne das Thema Geschlechtskrankheiten aus den Medien und aus vielen Köpfen verschwunden zu sein scheint, so sollte dennoch aufgepasst werden. Kondome schützen in den allermeisten Fällen zuverlässig gegen sexuell übertragbare Erkrankungen und ein Test bei Verdacht auf eine Infektion oder nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr kann dazu beitragen, die Krankheiten nicht unbemerkt weiterzugeben.

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Abbildung 3A: Chlamydien

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Abbildung 3B: Syphilis

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Abbildung 3C: HIV

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Abbildung 3D: Hepatitis B

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Abbildung 3E: Gonorrhö/Tripper

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Abbildung 3F: Genitalherpes

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Abbildung 3G: Genitalwarzen/Feigwarzen

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Abbildung 3H: Gebärmutterhalskrebs

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Abbildung 3I: Trichomonaden

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Abbildung 3J: Filzläuse

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Abbildung 3K: Scheidenpilz/Hefepilz

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Abbildung 3L: Krätze

Quellen

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