Frau mit SOS-Schild vor dem Intimbereich
  1. Was ist Scheidenpilz und wie äußert er sich?
  2. Arten von Scheidenpilz
  3. Ursachen für Scheidenpilz
  4. Symptome von Scheidenpilz
  5. Wann sollte bei Scheidenpilz ein Arzt aufgesucht werden?
  6. Diagnose von Scheidenpilz
  7. Behandlung von Scheidenpilz
  8. Vorbeugung gegen Scheidenpilz
Frau mit SOS-Schild vor dem Intimbereich

ICD-Code für Scheidenpilz (Kandidose der Vulva und der Vagina): B37.3+


Ein Scheidenpilz betrifft drei von vier Frauen mindestens einmal im Leben und kann meist unkompliziert behandelt werden.

Das Wichtigste im Überblick
  • Meist durch Hefepilz Candida albicans bei Veränderung der Scheidenflora oder des Immunsystems ausgelöst
  • Juckreiz, Ausfluss, Brennen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Wasserlassen
  • Vor Behandlung ärztliche Diagnose anhand von Untersuchung und Abstrich

Was ist Scheidenpilz und wie äußert er sich?

Ein Scheidenpilz ist eine Entzündung der Scheide, die das äußere Genital mitbetreffen kann (fachsprachlich vulvovaginale Candidose). Sie betrifft 75 Prozent der Frauen mindestens einmal im Leben. Meist ist der Erreger der Hefepilz Candida albicans. Hefepilze der Gattung Candida kommen auch im Körper vor, ohne Beschwerden zu verursachen. Symptome wie Juckreiz und Ausfluss treten meist erst bei einer Veränderung der Scheidenflora oder des Immunsystems auf. Dann handelt es sich um eine behandlungsbedürftige Erkrankung.

Arten von Scheidenpilz

Ausgehend von den auftretenden Hauterscheinungen kann ein Scheidenpilz in drei Formen unterschieden werden, wobei die Übergänge zwischen den verschiedenen Formen fließend sind:

  • Vesikulo-pustulös: einzelne und im Verlauf zusammenwachsende gelbe Bläschen

  • Exzematoid: durch Kratzen und Scheuern eröffnete Bläschen

  • Follikulär: Pusteln und Papeln an Schamhaarbalg und Wurzel

Abhängig von der Dauer der Symptomatik kann man zwischen einem persistierenden, einem rezidivierenden Scheidenpilz und einer chronisch rezidivierenden Form unterscheiden.

Bei einer persistierenden Erkrankung sind die verursachenden Erreger und Beschwerden trotz Behandlung weiter vorhanden. Bei einem Rezidiv hingegen kommt es nach erfolgreicher Behandlung und einer Zeit ohne Beschwerden zu einem Rückfall. Bei mindestens vier Rückfällen im Jahr handelt es sich um eine chronisch rezidivierende vulvovaginale Candidose.

Ursachen für Scheidenpilz

Nicht jede Besiedlung mit dem Hefepilz Candida führt zu auch zu einer Infektion. Ein Scheidenpilz entwickelt sich meist erst, wenn es zu einer Veränderung der lokalen Besiedlung oder des Immunsystems kommt, sodass sich Candida übermäßig vermehren kann. Faktoren, die das Risiko für eine Besiedlung und symptomatischen Scheidenpilz durch den Hefepilz Candida beeinflussen, sind:

  • Lokale Voraussetzungen: Unterschiede in Candidaarten und -stämmen und körpereigenen Abwehrmechanismen

  • Genpolymorphismen: genetische Faktoren können Rückfälle begünstigen

  • Allergien: Frauen mit Neigung zu Überempfindlichkeitserkrankungen und Allergien Typ I

  • Blutzucker: bei erhöhten Werten oder nicht gut eingestelltem Diabetes mellitus

  • Antibiotika: können die Flora der Scheide zugunsten einer Candida-Besiedlung verändern

  • Psychosozialer Stress: kann die Immunabwehr vermindern

  • Östrogene: häufigere Besiedlung mit Candida bei hohen Östrogenspiegeln (u. a. in Schwangerschaft), daher sind Mädchen vor der ersten und Frauen nach der letzten Regelblutung seltener betroffen

Symptome von Scheidenpilz

Meistens ist das führende Symptom eines Scheidenpilzes der starke Juckreiz im Genitalbereich. Weitere Symptome können sein:

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und bei der Blasenentleerung  

  • Weißlich-krümeliger Ausfluss aus der Scheide, meist geruchslos (im Gegensatz zu fischig riechendem Ausfluss bei der  bakteriellen Vaginose)

  • Rötung im Bereich der Schamlippen

  • Wundheitsgefühl, Brennen

Typischerweise treten diese Symptome vor der Regelblutung auf, da zu diesem Zeitpunkt die Zuckerspiegel der Scheide erhöht sind.

Wann sollte bei Scheidenpilz ein Arzt aufgesucht werden?

Wenn die oben genannten Beschwerden auftreten oder wiederkehrend sind, empfiehlt sich ein Besuch bei einem Gynäkologen oder einer Gynäkologin. Dies gilt auch in der Schwangerschaft, da die Therapie dann anders sein kann. ÄrztInnen können eine Diagnose stellen und andere Ursachen der Beschwerden ausschließen.

Frauenärztin im Gespräch mit einem Patienten bei einer telemedizinischen Video-Sprechstunde.
Verdacht auf Scheidenpilz?

Fernarzt bietet eine dermatologische Sprechstunde per Video oder Telefon an, in der ÄrztInnen Ihre Symptome beurteilen können. Holen Sie sich ärztlichen Rat und gegebenenfalls ein Rezept basierend auf der Diagnose.

Es gibt nicht-verschreibungspflichtige Präparate zur Behandlung von Scheidenpilz. Jedoch leidet nur ein Teil der Frauen, die sich selbst gegen einen Scheidenpilz behandeln, auch wirklich daran. Daher sollte zunächst eine ärztliche Diagnose erfolgen.

Diagnose von Scheidenpilz

Die Diagnose eines Scheidenpilzes geschieht anhand der Symptomatik, der gynäkologischen Untersuchung und eines Abstrichs. Dieser wird unter dem Mikroskop betrachtet und dient dem Nachweis von Hefepilzen.

Behandlung von Scheidenpilz

Zur Behandlung eines Scheidenpilzes stehen sogenannte Antimykotika zur Verfügung. Antimykotika sind Medikamente zur Behandlung von Pilzinfektionen. Es gibt sowohl lokale als auch systemische Präparate.

Symptomlose Frauen, bei denen ein Hefepilz nachgewiesen wird, bedürfen keiner Behandlung. Ausnahme sind schwangere Frauen während der letzten sechs Schwangerschaftswochen. In diesem Teil des als “drittes Trimenon” bezeichneten Schwangerschaftsabschnittes sollte auch eine symptomlose Besiedlung mit Candida behandelt werden, um eine Übertragung auf das Neugeborene während der Geburt zu vermeiden. Bei Neugeborenen äußert sich eine Infektion vor allem als weißlicher Belag auf der Zunge (Mundsoor) oder als wunder Windelbereich (Windeldermatitis).

Vorbeugung gegen Scheidenpilz

Scheidenpilz ist eine häufige Erkrankung und nicht immer sind die auslösenden Faktoren bekannt. Es gibt dennoch einige vorbeugende Maßnahmen, die das Risiko senken können.

  • Der Intimbereich sollte am besten nur mit Wasser oder einer speziellen Intimwaschlotion gereinigt werden, um das natürliche Gleichgewicht nicht zu stören. Es ist ausreichend, nur die äußere Intimregion zu reinigen.
  • Pilze mögen ein feuchtes und warmes Klima. Das Tragen atmungsaktiver Unterwäsche hilft, dieses zu vermeiden. Idealerweise sind Unterwäsche, Handtücher, etc. auch aus Materialien, die bei mindestens 60 °C gewaschen werden können. Dies tötet die Erreger in den allermeisten Fällen ab.
  • Ein Diabetes mellitus sollte so eingestellt werden, dass der Blutzucker im erwünschten Rahmen ist. Ansonsten ist mir einer erhöhten Anfälligkeit für Scheidenpilz zu rechnen.
  • Ein starkes Immunsystem hilft bei der Abwehr von Erregern.
  • Stress sollte, soweit möglich, vermieden werden.

Bei einigen Frauen mit vaginaler Candidose wurde eine erniedrigte Zahl von Laktobazillen festgestellt. Es wird vermutet, dass diese eine schützende Rolle haben könnten. Es gibt sogenannte Probiotika mit Laktobazillen, die das Scheidenmilieu stabilisieren sollen. Allerdings gibt es aktuell keine Daten bezüglich der Wirksamkeit solcher Probiotika bei der Vorbeugung von Scheidenpilz.

Tritt ein Scheidenpilz chronisch rezidivierend (mind. 4x/Jahr) auf, so sollte ärztlich abgeklärt werden, ob es eine zugrunde liegende Ursache geben könnte. Dies könnte z. B. eine Immunsuppression oder auch die (symptomlose) Infektion eines Partners oder einer Partnerin sein.

Häufige Fragen zu Scheidenpilz

Die sichtbaren Symptome eines Scheidenpilz sind zum einen der weißlich-krümelige Ausfluss aus der Scheide und zum anderen die begleitende Rötung im Bereich der Schamlippen.

Ein Scheidenpilz zählt nicht zu den Geschlechtskrankheiten, allerdings kann Candida trotzdem gelegentlich beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Auch kann Geschlechtsverkehr die akuten Symptome eines Scheidenpilzes verschlimmern.

Neben dem führenden Symptom des Juckreizes äußert sich ein Scheidenpilz durch weißlich-krümeligen Ausfluss aus der Scheide, der meist geruchslos ist. Eine begleitende Rötung im Bereich der Schamlippen sowie ein Wundheitsgefühl und Brennen sind möglich.

Scheidenpilz ist eine häufige Erkrankung, die auf einer Besiedlung mit dem Hefepilz Candida beruht. Nicht immer muss eine Besiedlung auch mit Beschwerden einhergehen. Erst bei einem Ungleichgewicht der Scheidenflora kann es zu einer symptomatischen Erkrankung kommen. Risikofaktoren sind u. a. Einnahme von Antibiotika, Schwangerschaft, erhöhte Blutzuckerwerte, Stress und ein geschwächtes Immunsystem.

Quellen

  • Jeanmonod R and Jeanmonod D (2021) Vaginal Candidiasis. In: StatPearls [Internet]. StatPearls Publishing., Treasure Island, Florida.

  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK459317/ (zugegriffen 09.04.2021)

  • Karr A et al. (2020) Vulvovaginalkandidose, S2k-Leitlinie. In: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtsmedizin e.V. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-072l_S2k_Vulvovaginalkandidose_2020-10_01.pdf (zugegriffen 09.04.2021)

  • Thrush (genital). Healthy WA. https://healthywa.wa.gov.au/Articles/S_T/Thrush-genital (zugegriffen 09.04.2021)

  • Buchberger A (2009) Infektionen an Vulva, Vagina und Zervix. Dissertation zum Erwerb des Doktorgrades der Medizin. Medizinische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. https://edoc.ub.uni-muenchen.de/9838/1/Buchberger_Andrea.pdf

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