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  1. Was versteht man unter Immunologie?
  2. Allergien – wenn das Immunsystem außer Kontrolle gerät
  3. Allergie oder Unverträglichkeit?
  4. Häufige Fragen zur Immunologie
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Was versteht man unter Immunologie?

Die Immunologie befasst sich mit dem körpereigenen Abwehrsystem des Menschen und ist ein wichtiger Zweig der medizinischen und biologischen Wissenschaften.

Das Immunsystem des Menschen ist rund um die Uhr aktiv und schützt uns durch verschiedene Abwehrmechanismen tagtäglich vor Krankheitserregern und Infektionen, aber auch vor Krebserkrankungen. Wenn das Immunsystem nicht funktioniert, wie es sollte, kann dies zu Krankheiten wie Autoimmunität, Allergien und Krebs führen.

Die wenigsten Menschen wissen, wie ihr Immunsystem funktioniert, welche lebenswichtigen Aufgaben es erfüllt und wie das Immunsystem heutzutage in der Therapie von Erkrankungen genutzt werden kann. Genau mit diesen Inhalten befasst sich das Feld der Immunologie.

Was macht ein Immunologe?

Immunologen, auch als Allergologen bekannt, sind Fachärzte, die Störungen des Immunsystems diagnostizieren, behandeln und ihnen vorbeugen. Sie sind z.B. auf die Behandlung von Erkrankungen wie Allergien, Asthma und andere Störungen des Immunsystems spezialisiert.

Was ist eine immunologische Erkrankung?

Störungen des Immunsystems führen zu einer abnormalen Unter- oder Überaktivität des Immunsystems. Bei einer Überaktivität des Immunsystems greift der Körper sein eigenes Gewebe an und schädigt es (Autoimmunerkrankungen). Immunschwächekrankheiten verringern die Fähigkeit des Körpers, Eindringlinge zu bekämpfen, und machen ihn anfällig für Infektionen.

Was zählt zu den Autoimmunerkrankungen?

Zu den häufigen Autoimmunkrankheiten gehören:

Funktionen unseres Immunsystems

Das Immunsystem verfügt über eine Vielzahl von Mechanismen, um den Körper vor schädlichen Eindringlingen von außen zu schützen, aber auch um sich körpereigener „entarteter“ Zellen zu entledigen. Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Pilze werden von Immunzellen erkannt, markiert und anschließend beseitigt.

Ähnlich reagiert das Immunsystem auf körpereigene Zellen mit Fehlern im Erbgut. Diese Fehler passieren ständig bei der Zellteilung. Verschiedene Mechanismen und Kontrollpunkte im Ablauf der Zellteilung sorgen dafür, dass nicht funktionale Zellen rechtzeitig aussortiert werden. Versagen diese Kontrollmechanismen, erkennen Zellen des Immunsystems beschädigte Zellen und eliminieren diese. Ist das System geschwächt, steigt nicht nur das Risiko von Infektionen, sondern auch bösartiger Mutationen im Körper – zum Beispiel Krebs.

Impfungen und das immunologische Gedächtnis

Das Immunsystem verfügt über ein eigenes Gedächtnis und kann sich an vergangene Infektionen mit Krankheitserregern erinnern. Während des Erstkontakts mit einem Erreger entstehen so genannte Gedächtniszellen, die im Körper bleiben. Wird der Körper zum zweiten Mal von den gleichen Erregern angegriffen, kann das Immunsystem schneller und effektiver auf die Invasion reagieren. Diesen Mechanismus machen sich Impfungen zunutze: Impfstoffe simulieren den Erstkontakt mit einem Erreger, ohne die Erkrankung auszulösen. Der Körper bildet ein immunologisches Gedächtnis aus, sodass der eigentliche Erreger bei Erstkontakt sofort bekämpft werden kann.

Immuntherapien gegen Krebs

Seit einigen Jahren beschäftigt sich die medizinische Forschung vermehrt damit, wie ÄrztInnen das Potential des Immunsystems zur Bekämpfung von Krebserkrankungen nutzen können. Um der Detektion durch das Immunsystem zu entgehen, entfernen Krebszellen Markerproteine von ihrer Zelloberfläche, anhand derer das Immunsystem sie als bösartig erkennen könnte. Stattdessen geben sie Proteine ab, die die Funktion des Immunsystems hemmen. Moderne Immunotherapeutika blockieren hemmend wirkende Oberflächenproteine und stärken die Immunreaktion des Körpers gegen die Krebszellen. Auch künstlich hergestellte Antikörper werden in der Immuntherapie (Immunotherapie) genutzt. Sie unterstützen die körpereigene Immunabwehr, indem sie Krebszellen erkennen, weitere Immunzellen anlocken oder direkt das Wachstum des Tumors hemmen.

Allergien – wenn das Immunsystem außer Kontrolle gerät

Es gibt immer wieder Augenblicke, in denen unser Immunsystem vorübergehend geschwächt ist, zum Beispiel im Falle eines Infekts. Bei manchen Menschen ist das Immunsystem jedoch dauerhaft fehlreguliert. Dies wird insbesondere im Frühjahr deutlich, wenn die Pollensaison beginnt und ein großer Teil der Bevölkerung unter Heuschnupfen leidet.

Wodurch werden Allergien ausgelöst?

Als Allergie wird eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf körperfremde, aber harmlose Substanzen bezeichnet. Je nach Art der Allergie tritt die körperliche Reaktion sofort bei Erstkontakt zum Allergen oder nach einer Phase der Sensibilisierung auf. Im Falle einer Sensibilisierung kommt es erst beim zweiten Kontakt zu einem allergenen Stoff zur allergischen Reaktion. Zu den üblichen Symptomen einer Allergie zählen Juckreiz, Schwellungen, tränende Augen, eine laufende Nase und Hautausschläge. Schwere allergische Reaktionen gehen mit Atemnot und Kreislaufdysregulation einher und können lebensbedrohlich sein. Zu Allergenen mit vorheriger Sensibilisierung zählen unter anderem Pollen, Nahrungsmittel und Insektengifte. Verzögerte allergische Reaktionen ohne Sensibilisierung sind typisch für verschiedene Metalle, Schimmelpilze, Vogelstäube, Autoimmunantigene. Medikamente wie Antibiotika oder Kontrastmittel können sowohl sofortige als auch verzögerte Reaktionen auslösen.

Die häufigste Allergie: Heuschnupfen

Als Heuschnupfen wird im Volksmund eine allergische Reaktion gegen Blüten- und Gräserpollen bezeichnet. Diese Erkrankung ist die mit Abstand häufigste Allergieform. Auf welche Pollen Menschen allergisch reagieren, ist individuell sehr unterschiedlich. Nicht selten reagieren Menschen sogar auf mehrere Pollenarten. Heuschnupfen ist nicht immer auf eine Jahreszeit begrenzt, sondern kann unter Umständen über einen Großteil des Jahres anhalten. Jede Pflanzenart blüht zu einer anderen Jahreszeit. Hier geben Pollenkalender darüber Auskunft, wann Allergiker mit welchen Pollen zu rechnen haben.

Wann blüht was? Informationen zu den Blütezeiten finden Sie in unserem Pollenkalender.

Allergie oder Unverträglichkeit?

Allergien sind immer Unverträglichkeiten – aber Unverträglichkeiten sind nicht immer Allergien.

Der häufigste Grund für eine nicht-allergische Nahrungsmittelunverträglichkeit ist ein Enzymmangel. Enzyme sind Proteine, die Nahrungsmittel in ihre Einzelteile zerlegen und für den Körper verwertbar machen. Fehlt das Enzym oder ist seine Funktion vermindert, kann dies beim Verzehr des jeweiligen Nahrungsmittels zu Durchfällen, Bauchschmerzen oder Mangelerscheinungen führen. Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist daher keine Erkrankung des Immunsystems im klassischen Sinne. Im Gegensatz zu Allergien können je nach Ausprägung des Enzymmangels kleinere Mengen des Nahrungsmittels verzehrt werden, ohne dass es zu Beschwerden kommt. Allergien wiederum können zu ähnlichen Symptomen wie Unverträglichkeiten führen, jedoch liegt ihnen ein völlig anderer Mechanismus zugrunde.

Nahrungsmittelallergien sind eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems auf körperfremde, harmlose Substanzen. Nach einer ersten symptomfreien Sensibilisierungsphase führt jeder nachfolgende Kontakt – unabhängig von der konsumierten Menge – unweigerlich zu einer allergischen Reaktion. Ein vollständiger Verzicht auf das entsprechende Nahrungsmittel ist dementsprechend zwingend erforderlich. Nahrungsmittelallergien können Magen-Darm-Beschwerden, aber auch gravierendere Symptome wie Hautausschläge, Kreislaufprobleme und Atemnot verursachen.

Volksleiden Glutenallergie

Als Zöliakie wird eine Mischung aus einer allergischer Reaktion gegen Gluten und einer Autoimmungenese mit Ausbildung von Antikörpern gegen körpereigene Strukturen bezeichnet. Beim Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln wie Brot, Kuchen oder anderen Weizenprodukten kommt es daher zu Bauchkrämpfen, Blähungen, Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen. Diagnostiziert wird die Erkrankung mit Hilfe von Blutuntersuchungen, einer Darmbiopsie und genetischen Tests. Es muss lebenslang auf glutenhaltige Nahrungsmittel verzichtet werden (u.a. Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel). Eisen oder Vitamine können bei Mangelerscheinungen substituiert werden.

Tatsächlich sind nur etwa 0,3 Prozent der deutschen Bevölkerung von einer Glutenunverträglichkeit betroffen. Die Anzahl an Menschen, die über Beschwerden nach dem Verzehr glutenhaltiger Nahrungsmittel berichten, ohne die diagnostischen Kriterien einer Zöliakie zu erfüllen, liegt mit bis zu 13 Prozent jedoch deutlich höher.

Eine Glutensensibilität ohne Zöliakie wird heute eher dem Spektrum der Reizdarm-Erkrankungen zugewiesen. Im Gegensatz zu Zöliakie ist das Reizdarm-Syndrom keine Diagnose, die auf serologischen oder genetischen Tests beruht und zählt zu den chronisch-funktionellen Störungen. Diese verfügen häufig über eine psychosomatische Komponente und werden unter anderem mit Hilfe von autogenem Training behandelt. Die Diagnose stellt ein Arzt basierend auf den Symptomen des Patienten nach Ausschluss anderer möglicher Ursachen der Beschwerden.

Häufige Fragen zur Immunologie

ImmunologInnen beschäftigen sich mit allergischen Erkrankungen und Erkrankungen des Immunsystems.

Als immunologische Erkrankung bezeichnet man eine Fehlfunktion des Immunsystems. Dabei kann das Immunsystem zu viel oder zu wenig arbeiten. Zu immunologischen Erkrankungen zählen unter anderem Autoimmunerkrankungen und Allergien.

Immunologische Tests können je nach Beschwerden sehr verschieden ausfallen. Es können Immunzellen im Blut sowie Antikörper bestimmt werden. Bei Verdacht auf eine spezifische Allergie können gezielt Allergietests durchgeführt werden.

Unter immunologischer Belastung versteht man den Einfluss körperlicher Aktivität auf das Immunsystem. Viel Bewegung und körperliches Training tragen zur besseren Funktion des Immunsystems bei. Exzessive körperliche Aktivität hat auch Einfluss auf die Anzahl der Immunzellen im Blut. Diese steigen nach starker Belastung an.

Professionell antigenpräsentierende Zellen sind Makrophagen, B-Lymphozyten und dendritische Zellen.

T-Zellen sind Zellen des Immunsystems und essenzieller Teil der Immunabwehr. Sie werden bei Kontakt mit Antigen-präsentierenden Zellen oder Antigenkomplexe aktiviert. Nach der Aktivierung können sich die Zellen massiv vermehren und weiter differenzieren.

Jede Zelle hat verschiedene Proteinstrukturen (Antigene) auf ihrer Oberfläche. So unterscheiden sich die verschiedenen Zellarten und können mit anderen Zellen oder Strukturen interagieren. Antigene auf roten Blutkörperchen (Erythrozyten) definieren beispielsweise die Blutgruppe.

Antigenpräsentation ist ein Mechanismus des Immunsystems. Dabei werden körpereigene und körperfremde Moleküle (Antigene) auf spezialisierten Zellen exprimiert. Dies dient der Schulung des Immunsystems, vor Allem der T-Zellen, und bei Bedarf der Aktivierung einer Immunantwort.

Quellen

  • Spezifisches Immunsystem. AMBOSS. 2022. https://www.amboss.com/de/wissen/spezifisches-immunsystem (zugegriffen 24. März 2022)

  • Deutsche Gesellschaft für Immunologie e.V. (DGfI). Immunologie für Jedermann. http://das-immunsystem.de/fuer-jedermann/ (zugegriffen 24. März 2022)

  • Puta C, Gabriel HHW: Sportmedizinische Grundlagen: Immunologische Beanspruchung durch körperliche Belastung. In: Güllich A, Krüger M. (eds): Bewegung, Training, Leistung und Gesundheit. Springer, Berlin, Heidelberg. 2021.

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